Gelesen: „Elfenstein“ von Tanja Rast

Cover zu Elfenstein von Tanja Rast: Ein muskulöser Mann mit nacktem Oberkörper vor schneebedeckter BerglandschaftElfenstein von Tanja Rast ist ein Gay-Fantasy-Roman um Freiheit, Selbstbestimmung, Liebe (Natürlich!) und Dämonen in vielerlei Gestalten.

Klappentext

Der Magie verfallen – das ist eine Gay-Fantasy-Reihe um Krieger und Magier, Priester und Diebe. Jeder Roman erzählt die Romanze zweier gegensätzlicher junger Männer – zwischen Gefahren, Abenteuern und großen Gefühlen.

Wieder einmal soll der erfahrene Bergführer Noriv Reisende über das Gebirge leiten. Doch zu dieser Gruppe gehört Terez, ein junger Elf. Aufgewachsen bei einem menschlichen Ziehvater lässt Terez keine Spur der Wildheit erkennen, die man seinem Volk nachsagt – stattdessen Charme und atemberaubende Schönheit. Immer wieder muss Noriv sich ins Gedächtnis rufen, dass der reizvolle Elf unter seinem Schutz steht und damit unberührbar ist. Er kann nicht ahnen, dass Terez sich zu seinem Beschützer ebenso hingezogen fühlt wie umgekehrt. Ein Steinschlag bringt beide einander näher. Aber dann überschlagen sich die Ereignisse, und Terez muss beweisen, dass in seiner Brust ein wahres Elfenherz schlägt …

Zum Buch & zum Elfenstein

Perspektive: 3. Person; der Roman wird abwechselnd aus der Sicht von Noriv und Terez erzählt.

Als der erfahrene Bergführer Noriv angeheuert wird, einen älteren Ratsherren und sein Mündel durch das Gebirge zu begleiten, denkt er zuerst, dass es ein Auftrag wie jeder andere ist. Doch erstaunlicherweise entpuppt sich besagtes Mündel als ein Elf, der nicht nur kaum mit seinem trinkfesten, wilden, kriegerischen Volk vergleichbar ist, sondern auch noch atemberaubend schön. Mit seiner naiven, sanften Art und dem zauberhaften Gesicht nimmt Terez Noriv sofort für sich ein. Dummerweise lassen weder der Ratsherr noch sein Hauptmann es zu, dass die zwei auch nur zwei Sätze miteinander wechseln können, da sie wie besorgte Glucken um Terez herumflattern.

Doch dann trennt ein Steinschlag die beiden von ihrer Truppe, und sie kommen sich rasant näher und näher, obwohl Noriv sich alle Mühe gibt, dem Charme seines Schützlings zu widerstehen. Chancenlos.

Zurück bei ihren Reisegefährten müssen sie ihre aufkeimende Liebe verbergen, denn niemals würde der Ratsherr einer solch niederen Verbindung seines Mündels zustimmen, und zumindest während der gefährlichen Überquerung des Gebirges sollte daher kein Zwist die Gruppe erschüttern. Aber wie der Klappentext schon ankündigt, überschlagen sich dann die Ereignisse, und die LeserInnen werden auf eine atemberaubende Achterbahnfahrt mitgenommen, bei der man beim Lesen regelrecht rast, um zu wissen, wie der Roman ausgeht.

Tanja Rast und Elfen – ein todsicherer Garant, dass ich dieses Buch lieben würde, und tadaaaaaaaa – ich wurde nicht enttäuscht. Es ist mein bisheriger absoluter Liebling der Reihe „Der Magie verfallen“. Die Chemie zwischen den beiden Figuren prickelt und ist von Anfang an vorhanden, die Wendungen kamen überraschend, aber nicht unvorbereitet. Ich liebe die handfesten, kriegerischen Elfen, die mich ein wenig an die Wolfsreiter der Pinis erinnern, aber dann doch vollkommen anders sind. Für meinen Geschmack hätten noch viel mehr davon vorkommen können. *g* Der sanfte Terez, der im Laufe des Buchs selbständiger wird, hat mein Herz ebenso gewonnen wie der ruppige, grummelige Noriv.

Die Bergwelt hat mich vollkommen verzaubert und mich ebenso in ihren Bann geschlagen wie die Handlung und die Figuren. Mit sicheren Strichen gezeichnet, nie überladen mit Beschreibung, aber dennoch klar wird sie zu einem eigenen Charakter, der die Figuren herausfordert, in Gefahr bringt – und ihnen unvergesslich schöne Momente beschert.

Der Elfenstein, so viel sei gesagt, ist eine Art Relikt der Elfen (ach!), doch was es damit auf sich hat, verrate ich nicht. 😉 Glaube mir, das würde dir einen Teil des Lesevergnügens schmälern.

Die Figuren

Noriv ist frei, selbstbewusst, weiß exakt, was er will und lebt danach. Er ist ein wahrer Hüne, groß, stark, muskelbepackt. Er ist grummelig und nicht so recht gut mit Worten, dafür ein guter Bergführer und guter Kämpfer. Und er hat Prinzipien. Sehr zauberhaft, wie er versucht, dem süßen Terez zu widerstehen, denn der ist schließlich in seiner Obhut … und überhaupt …

Terez ist gefangen und erdrückt von der Zuneigung und Sorge seines Ziehvaters, der ihm nichts zutraut, ihn ständig überbehütet und ihn nichts tun lässt, was auch nur einen Hauch von Risiko mit sich bringt. Er ist schmal, zierlich und klein wie alle Elfen, aber durch seinen Tanzunterricht gut trainiert und wendig. Er sehnt sich nach Freiheit, aber hat Angst, seinen Ziehvater zu enttäuschen und zu verletzen. Seine rebellische Seite lebte er bisher nachts aus, wenn er sich heimlich aus seinem wohlbehüteten Zuhause schlich, um Affären zu haben. Doch als er die Freiheit (und Noriv, höhö) schmeckt, will er mehr. Sobald sie die Ebenen erreicht haben.

Sex & Romance

Es prickelt kräftig zwischen Terez und Noriv, obwohl sie zuerst kaum ein Wort miteinander wechseln und sich dank des Ziehvaters nur von Ferne anschmachten können. Doch nach dem Steinschlag kommen sie sich nah und näher, ganz zauberhaft, wie sie einen Schritt nach dem anderen aufeinander zugehen, bis sie schließlich das Lager miteinander teilen. Wie immer bei Tanja Rast wird hier der Vorhang zugezogen, aber das passt – auch wie immer – zu dem Abenteuerroman.

Cover

Das Cover zeigt Noriv, einen muskelbepackten Hünen, vor der Kulisse der Berge, in denen der Roman die meiste Zeit spielt.

Fazit

Ein wunderbarer Abenteuerroman mit Elfen! (Elfen!!) Allein das hat ihm bei mir schon Bonuspunkte verpasst, denn ich liebe Elfen. (Ach, das erwähnte ich bereits? Egal.) Spannend, romantisch in wilder Bergwelt, die ebenso verzaubert wie die Figuren. Die von mir bisher nicht erwähnten Antagonisten hingegen lernt man richtig hassen. Ich hätte sie gerne in kleine Stücke zerfetzt.

 

Spoiler hinter dem Cut.

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Gelesen: „Klosterschatz“ von Tanja Rast

Cover zu Klosterschatz von Tanja RastKlosterschatz von Tanja Rast ist ein Gay-Fantasy-Roman um Loyalität, Heldenmut, Unabhängigkeit und Hexerei. (Aufgabe: Welches Wort passt nicht in die Reihe? ;p)

Klappentext

Der Magie verfallen – das ist eine Gay-Fantasy-Reihe um Krieger und Magier, Priester und Diebe. Jeder Roman erzählt die Romanze zweier gegensätzlicher junger Männer – zwischen Gefahren, Abenteuern und großen Gefühlen.

Schwer verwundet wird der Rebell Torik zusammen mit einer Handvoll Nonnen von den machthungrigen Eroberern gefasst, um in der Hauptstadt als abschreckendes Beispiel hingerichtet zu werden.
Doch während einer Rast in einer Klosterruine erscheint Torik die atemberaubende Fiebervision eines hochgewachsenen, muskulösen jungen Mannes. Verblüffend nur, dass dieses Traumgebilde die Gegner mittels einer Schaufel niedermacht und sich während Toriks Genesung als ein rücksichtsvoller vormaliger Mönch namens Livan entpuppt. Zusammen mit den Nonnen schmieden die beiden ungleichen Männer einen Plan, das Reich von dem Joch der Eroberer zu befreien. Bis Livans dunkle Vergangenheit sie einholt …

Zum Buch & zum Klosterschatz

Perspektive: 3. Person; der Roman wird abwechselnd aus der Perspektive von Torik und Livan erzählt.

Das Herzogsreich aus Klosterschatz ist kriegsgebeutelt, hat die Kämpfe gegen die Eroberer verloren, die Herzogin ist von den Eindringlingen als Geisel verschleppt worden.

Livan streift herrenlos durch das Land, seit er unehrenhaft aus seinem Heimatkloster geworfen wurde, in dem er als Waisenkind aufgewachsen ist. Er schlägt sich mehr schlecht als recht mit Gelegenheitsarbeiten auf Bauernhöfen durch, bis er auf ein verfallenes Kloster stößt. Zu seiner Überrschung ist die Krypta noch nicht geplündert worden. Das erledigt dann gleich er, denn die Toten brauchen keinen Schmuck. (Und er hat seinen Klosterschatz, hihi.) Livan sieht bereits ein Leben vor sich, in dem er nicht mehr von der Hand in den Mund leben muss und die flohverseuchten Strohsäcke gegen saubere Betten eintauschen kann. Sein Plan sieht außerdem vor, sich mit den Eroberern gutzustellen, denn die sind gekommen, um zu bleiben.

Torik ist ein Rebellenhauptmann, der beim Versuch, seine Herzogin zu befreien, in die Hände des Feindes gefallen und schwer verwundet worden ist. Die Soldaten schleppen ihn quer durch das Reich in Richtung Hauptstadt, um ihn dort in einer mehrstündigen Zeremonie grauenhaft hinzurichten. Seine einzige Hoffnung ist, dass er vorher an Wundbrand stirbt. Doch dann werden ein paar Nonnen aufgegriffen, die rebellische Reden gehalten haben sollen. Obwohl er nicht einmal mehr sitzen kann, ist es einfach rührend zu sehen, wie Torik versucht, sich für sie zusammenzureißen. Aber die Nonnen sind ein Glücksfall, denn die alte Mutter Venia versteht sich auf Kräuterheilkunde. Als der Trupp Rast in einer verfallenen Klosteruine macht, kümmert sie sich um Torik.

Natürlich ist das dieselbe Ruine, die Livan gerade plündert. Livan gelingt es, durch das Moment der Überraschung, Taktik und Körperkraft die Soldaten auszuschalten und Torik und die Nonnen zu befreien. Zwischen Livan und Torik ist es Liebe auf den ersten Blick. Von Fieber geschüttelt macht Torik Livan sogleich ein mehr als eindeutiges Angebot, denn er hält ihn für eine von der Göttin geschickte Sagengestalt: die Kriegsschaufel – äh, pardon – den Kriegshammer der Anide. Livan ist sehr davon angetan, denn er findet den kleinen Rebellen zum Anbeißen. Aber Fieber, Wunden und Ehrgefühl halten ihn davon ab, auf dieses Angebot einzugehen.

Die Gruppe lässt die bewusstlosen Soldaten hinter sich und macht sich auf die Flucht. Livans Ziel: die Nonnen  in ein sicheres Kloster zu bringen und dann zu erkunden, wie ernst Torik sein Angebot gemeint hat. Toriks Ziel: wieder einsatzfähig werden, die Nonnen in ein sicheres Kloster bringen und Livan in sein Bett. Das Ziel der Nonnen: … das werde ich jetzt nicht spoilen.

Die Nonnen sind klasse, allesamt. Mutter Venia hat drei Jungnonnen unter ihre Fittiche genonnen und ist General und Feldwebel der kleinen Gruppe. Die jungen Frauen sind nur auf den ersten Blick naiv und hilflos.

Als LeserIn begleitet man die Gruppe auf ihrer Flucht sowie Torik und Livan, wie sie einander näherkommen und unvermeidlich mit ihren unterschiedlichen Hintergründen und Zielen im Leben auch miteinander kollidieren.

Was mich ein wenig gestört hat, war der Fakt, dass die beiden Männer nicht (wie im Klappentext ausgeführt) planen, ihr Reich vom Joch der Eroberer zu befreien. Das Moment, das dies im Endeffekt ermöglicht, ist Zufall und kommt ein wenig als „Oh hoppla“ daher. Mir hätte es besser gefallen, wenn ihnen dieses Moment nicht nebenbei im Rahmen einer anderen Aktion, die nichts damit zu tun hatte, in den Schoß gefallen wäre, sondern wenn sie dafür hätten arbeiten müssen. Planen. Aber dann wäre das Buch vermutlich deutlich länger geworden oder hätte einen Zweiteiler ergeben.

Stört es den Lesegenuss? Nein, in keiner Weise. Auch mit diesem Hakeln, das du ganz anders empfinden kannst, liest es sich flüssig und spannend und romantisch in einem durch. Ich habe die Geschichte um Livan und Torik sehr genossen.

Die Figuren

Livan ist ein ehemaliger Klosterbruder, riesengroß, breitschultrig, dunkle Brummelstimme und in Toriks Augen so gut aussehend, dass er als Gesandter der Göttin Anide durchgeht. Auch wenn Livan sehr wehrhaft ist und mit seiner treuen Schaufel gut kämpfen kann, ist er ein sanfter, fürsorglicher Mann. Auf den ersten Blick verguckt er sich in den kleinen Rebellen, der ihm dieses reizende und nahezu unwiderstehliche Angebot macht. Seine siegreich ausgetragenen Kämpfe mit sich selbst, um Toriks Fieber nicht auszunutzen, sind einfach nur niedlich. Von Klosteroberen hält er gar nichts, aber die Nonnen kann er auf keinen Fall im Stich lassen.

Torik ist klein, drahtig, durchtrainiert, ein Hauptmann und Soldat, dem Reich und der Herzogin treu ergeben. Er ist sehr pflichtbewusst und loyal und im Fieberwahn einfach entzückend niedlich, wenn er sich nicht gerade vor Schmerzen windet. Sobald er wieder auf den Beinen steht sowie in Gefahrensituationen kommt sofort der strategische Soldat durch, der ohne zu zögern das Kommando ergreift.

Die Nonnen – Mutter Venia und die Schwestern Pelev, Meni und Dasea – sind für mehr als eine Überraschung gut. Gerade in Mutter Venia habe ich mich sehr verliebt, den alten Feldwebel.

Sex & Romance

Das Buch ist eine einzige, romantische Szene (mit bisweilen prickelnder Erotik) mit Unterbrechnungen. 😉 Als LeserIn bekommt man in dem Roman für Tanja Rast ungewöhnlich viel Hurt&Comfort geboten, und zwar auf die bezauberndste Art und Weise. Livan und Torik schaffen es zwar ziemlich zu Beginn schon mal zusammen ins Bett. Doch das ist mehr Versuchung für den armen Livan als funkensprühendes Geplänkel, denn Torik ist viel zu schwach und krank für alles (was Torik nicht so ganz bewusst zu sein scheint *g*). Einmal gegen Ende des Buches dürfen sie dann endlich; der Vorhang fällt, bevor es zur Sache geht.

Cover

Livan. Nomz. Ich hatte ihn mir anders vorgestellt, aber das ist meiner Fantasie geschuldet nicht der Beschreibung im Buch. In der Klosterruine vom Anfang des Buchs. Tanja Rast hat die Bilder ausgewählt, also kann es nur nah dran sein.

Fazit

Ein spannender, romantischer Fantasyroman, Hurt&Comfort fürs Herz, mit Hexenkraft, die wunderbar ist und – eher ungewöhnlich für Gay Romance – mehreren starken Frauenfiguren. Ein Buch, das man bis zum Ende nicht mehr aus der Hand legen mag, das einen dann aber mit einem zufriedenen Seufzen zurücklässt.

 

Spoiler hinter dem Cut.

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Gelesen: „Königsmacher“ von Tanja Rast

Cover "Königsmacher" von Tanja RastDer Magie verfallen: Königsmacher von Tanja Rast ist Gay-Romance-Fantasy um die zwei Spitzel und Saboteure, die auf unterschiedlichen Seiten stehen und sich unpassenderweise dennoch ineinander verlieben.

Klappentext Königsmacher

Der Magie verfallen – das ist eine Gay-Fantasy-Reihe um Krieger und Magier, Priester und Diebe. Jeder Roman erzählt die Romanze zweier gegensätzlicher junger Männer – zwischen Gefahren, Abenteuern und großen Gefühlen.

Jiras und Belac sind Spitzel und Saboteure – und Meister ihres Fachs. Ausgesandt von verfeindeten Fürsten, die nur darauf lauern, die Nachfolge eines erbenlosen Königs an sich zu reißen, prallen die grundverschiedenen Männer inmitten des Intrigenspiels aufeinander.
Aus augenblicklicher Faszination füreinander wird rasch mehr. Doch zwischen Verschwörungen, zerstörerischer Magie und einer schier unlösbaren Aufgabe scheint die verbotene Liebe zum Scheitern verurteilt. Können Belac und Jiras angesichts des drohenden Thronfolgekriegs tatsächlich Diensteide und Loyalität über Bord werfen, um ihren ganz eigenen Weg zu gehen?

Zum Buch & der Welt

Perspektive: 3. Person; der Roman wird abwechselnd aus der Perspektive von Belac und Jiras erzählt.

Ein alter König, der erbenslos im Sterben liegt. Vier Fürsten, die seinen Platz einnehmen wollen und dafür über Leichen gehen. Das ist die Ausgangslage von Königsmacher, und der Name ist Programm. Denn Belac und Jiras sind eine Art Meuchelmörder im Auftrag dieser Fürsten, damit beauftragt, unliebsame Gegener und Ressourcen aus dem Weg zu schaffen, und zwar bevor es zu einem Krieg kommt, um einen Fürsten zum König zu machen. Dumm nur, dass sie zwei verschiedenen Fürsten dienen. Ebenso dumm, dass sofort die Funken zwischen ihnen fliegen.

Königsmacher ist ein Fantasyroman, der mit sehr wenig Magie auskommt, doch es gibt sie. Belac und Jiras beherrschen sie nicht, bekommen aber ab und an ihre (unschönen) Auswirkungen zu spüren. Ich sag nur „glimmende apfelgrüne Seide“. Die Welt ist eine klassisch mittelalterliche mit mehreren Götttern, deren Anrufung ich gerade von Jiras sehr süß fand, wenn er mit seiner auserwählten Göttin schimpft. Es gibt zahlreiche Kämpfe, die jedoch zu meinem Glück nicht so detailreich und blutig sind wie bei Tanja Rasts Heroics (Arrion, Cajan).

Tanja Rasts Beschreibungen sind dicht und farbenfroh und erfassen alle Sinne. Besonders der Geruchssinn wird oft angesprochen, was ich sehr eindrücklich fand.

Im ersten Teil des Romans begleiten LeserInnen abwechselnd Belac und Jiras, wie sie ihre Aufgaben erfüllen und immer wieder über den jeweilig anderen stolpern. So niedlich, wie sie sich umeinander sorgen und Angst umeinander haben, während sie versuchen, ihren Fürsten treu zu dienen. Ganz besonders Jiras ist mir dabei ans Herz gewachsen.

Schließlich geht es für sie gemeinsam weiter, und ich liebe diese Szene, in der das passiert. Unglaublich, aber wahr: Es kann sehr romantisch sein, einem anderen Mann *nicht* das Genick zu brechen oder ihm die Kehle zuzudrücken. Und ich liebe, wie Belac danach von „ihrem Sommer“ träumt. In all den Wirren und dem drohenden Krieg ein gestohlener Moment, Zärtlichkeit, Vertrauen und Nähe.

Die Figuren

Belac ist groß, breitschultrig, stark, ein Soldat, das Kind von armen Bauern. Er ist eher gerade heraus und direkt, was ihn jedoch nicht daran hindert, sich einzuschleichen und Morde zu begehen oder Wasserräder in die Luft zu sprengen. Er ist seinem Fürsten treu ergeben und versucht mit seiner Arbeit hauptsächlich, einen Krieg zu verhindern, der zahllose Unschuldige am unteren Ende der Klassenhierarchie das Leben kosten würde. Bei seinen Anschlägen achtet er auch darauf, so wenig Opfer wie möglich zu hinterlassen. Und er kann nicht lesen. Awwwwww.

Jiras ist kleiner, schmaler, ein Meister der Verkleidung, dem man auch Frauenrollen abnimmt, und von niederem Adel. Für ihn ist das, was er tut, mehr Arbeit als Idealismus. Sein Elternhaus hat ihm nichts gegeben, mit dem er überleben könnte, denn er ist nur der siebente Sohn. Aber er legt sich ins Zeug, auch er will einen Krieg verhindern. Er macht seine Arbeit, macht sie gut, … und erfährt ungefähr Null Wertschätzung. Er ist … verletzlich, ich kann es nicht anders beschreiben. Ich hätte ihn so gern manchmal einfach nur in den Arm genommen. (Und ihm ein paar gute Knieschoner besorgt. ;p)

Sex & Romance

Romance gibt es, klar! Viele wunderschöne Szenen zwischen Jiras und Belac, und zwar von Anfang an. Ich mag die Szene im See, ich mag die überraschende Szene im Gang des Gasthauses. Ich liebe die Szene, in der Jiras Belac befreit. Erotik gibt es ebenfalls, die Funken fliegen herrlich. Wer jedoch Sexszenen sucht, wird bei Tanja Rast nicht fündig. Die zwei Jungs haben Sex, sogar nicht zu knapp, doch Tanja Rast zieht den Vorhang vor. Das passt zur Geschichte und zum Roman.

Cover

Der Knabe auf dem Cover? Jiras, wie er leibt und lebt in all seiner goldenen Schönheit.

Fazit

Ein spannendes, romantisches, humorvolles Buch, das ich kaum aus den Händen legen konnte und allen LiebhaberInnen von Fantasy sehr ans Herz lege. Die Handlung ist keine Würze für die Beziehung der zwei Hauptfiguren, sondern integraler Bestandteil des Romans. Die Figuren sind liebenswert, dreidimensional und manchmal wunderbar jugendlich dumm; man leidet herrlich mit ihnen mit. Mein Hauptkritikpunkt: Es war zu frickin‘ fuckin‘ kurz! Ich hätte nach dem Ende weiterlesen wollen, menno!

Spoiler nach dem Cut

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Schmachten und Schlachten in Vollendung

Das letzte Mal, dass ich mich hier gemeldet habe, ist ja schon bald nicht mehr wahr! Wie überaus peinsam! Aber Schwamm drüber (damit wird auch gleich der angesammelte Staub hier weggewischt *hust*) und auf zu neuen Beiträgen!

Tanja Rast: Arrion (Amrûn-Verlag)Hast du es schon mitbekommen? Die wunderbare Tanja Rast hat ihren ersten Roman beim Amrûn-Verlag herausgebracht!

Arrion handelt von der Geistersängerin Neve, die die Seelen ruheloser Toter besänftigt und in die Totenwelt schickt. Als sie auf den Geisterritter Arrion trifft, zeigt sich dieser nicht nur äußerst lebendig und anzüglich, sondern schwingt sich auch noch zu ihrem Beschützer auf, als sie plötzlich jede Menge Verfolger auf den Fersen hat. Und es ist nicht gerade hilfreich, dass sich die beiden über die Grenzen des Todes hinaus verlieben.

Tanja Rast beschreibt sehr lebendig und zum Teil recht blutig den Weg von Sängerin und Ritter und eine wunderschöne Liebesgeschichte. Sie nennt dieses Genre „Conan für Frauen“ oder sehr treffend „Schmachten und Schlachten“. Wenn du also auf Kämpfe und Liebesgeschichten zugleich stehst – das ist dein Buch! Ich habe es gelesen und mochte es total gerne. Neve ist eine Heldin mit Biss, und Arrion ist … Arrion. Charmant, verrucht, aufdringlich, nervig, wunderbar. Im echten Leben würde ich ihn nach einer Nacht vermutlich mit einem Tritt vor die Tür setzen, aber als Held ist er einfach zum Verlieben.

Und hinter dem Cut folgen ein paar kleine Spoilerchen. 😀

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