Gelesen: „Königsmacher“ von Tanja Rast

Cover "Königsmacher" von Tanja RastDer Magie verfallen: Königsmacher von Tanja Rast ist Gay-Romance-Fantasy um die zwei Spitzel und Saboteure, die auf unterschiedlichen Seiten stehen und sich unpassenderweise dennoch ineinander verlieben.

Klappentext Königsmacher

Der Magie verfallen – das ist eine Gay-Fantasy-Reihe um Krieger und Magier, Priester und Diebe. Jeder Roman erzählt die Romanze zweier gegensätzlicher junger Männer – zwischen Gefahren, Abenteuern und großen Gefühlen.

Jiras und Belac sind Spitzel und Saboteure – und Meister ihres Fachs. Ausgesandt von verfeindeten Fürsten, die nur darauf lauern, die Nachfolge eines erbenlosen Königs an sich zu reißen, prallen die grundverschiedenen Männer inmitten des Intrigenspiels aufeinander.
Aus augenblicklicher Faszination füreinander wird rasch mehr. Doch zwischen Verschwörungen, zerstörerischer Magie und einer schier unlösbaren Aufgabe scheint die verbotene Liebe zum Scheitern verurteilt. Können Belac und Jiras angesichts des drohenden Thronfolgekriegs tatsächlich Diensteide und Loyalität über Bord werfen, um ihren ganz eigenen Weg zu gehen?

Zum Buch & der Welt

Perspektive: 3. Person; der Roman wird abwechselnd aus der Perspektive von Belac und Jiras erzählt.

Ein alter König, der erbenslos im Sterben liegt. Vier Fürsten, die seinen Platz einnehmen wollen und dafür über Leichen gehen. Das ist die Ausgangslage von Königsmacher, und der Name ist Programm. Denn Belac und Jiras sind eine Art Meuchelmörder im Auftrag dieser Fürsten, damit beauftragt, unliebsame Gegener und Ressourcen aus dem Weg zu schaffen, und zwar bevor es zu einem Krieg kommt, um einen Fürsten zum König zu machen. Dumm nur, dass sie zwei verschiedenen Fürsten dienen. Ebenso dumm, dass sofort die Funken zwischen ihnen fliegen.

Königsmacher ist ein Fantasyroman, der mit sehr wenig Magie auskommt, doch es gibt sie. Belac und Jiras beherrschen sie nicht, bekommen aber ab und an ihre (unschönen) Auswirkungen zu spüren. Ich sag nur „glimmende apfelgrüne Seide“. Die Welt ist eine klassisch mittelalterliche mit mehreren Götttern, deren Anrufung ich gerade von Jiras sehr süß fand, wenn er mit seiner auserwählten Göttin schimpft. Es gibt zahlreiche Kämpfe, die jedoch zu meinem Glück nicht so detailreich und blutig sind wie bei Tanja Rasts Heroics (Arrion, Cajan).

Tanja Rasts Beschreibungen sind dicht und farbenfroh und erfassen alle Sinne. Besonders der Geruchssinn wird oft angesprochen, was ich sehr eindrücklich fand.

Im ersten Teil des Romans begleiten LeserInnen abwechselnd Belac und Jiras, wie sie ihre Aufgaben erfüllen und immer wieder über den jeweilig anderen stolpern. So niedlich, wie sie sich umeinander sorgen und Angst umeinander haben, während sie versuchen, ihren Fürsten treu zu dienen. Ganz besonders Jiras ist mir dabei ans Herz gewachsen.

Schließlich geht es für sie gemeinsam weiter, und ich liebe diese Szene, in der das passiert. Unglaublich, aber wahr: Es kann sehr romantisch sein, einem anderen Mann *nicht* das Genick zu brechen oder ihm die Kehle zuzudrücken. Und ich liebe, wie Belac danach von „ihrem Sommer“ träumt. In all den Wirren und dem drohenden Krieg ein gestohlener Moment, Zärtlichkeit, Vertrauen und Nähe.

Die Figuren

Belac ist groß, breitschultrig, stark, ein Soldat, das Kind von armen Bauern. Er ist eher gerade heraus und direkt, was ihn jedoch nicht daran hindert, sich einzuschleichen und Morde zu begehen oder Wasserräder in die Luft zu sprengen. Er ist seinem Fürsten treu ergeben und versucht mit seiner Arbeit hauptsächlich, einen Krieg zu verhindern, der zahllose Unschuldige am unteren Ende der Klassenhierarchie das Leben kosten würde. Bei seinen Anschlägen achtet er auch darauf, so wenig Opfer wie möglich zu hinterlassen. Und er kann nicht lesen. Awwwwww.

Jiras ist kleiner, schmaler, ein Meister der Verkleidung, dem man auch Frauenrollen abnimmt, und von niederem Adel. Für ihn ist das, was er tut, mehr Arbeit als Idealismus. Sein Elternhaus hat ihm nichts gegeben, mit dem er überleben könnte, denn er ist nur der siebente Sohn. Aber er legt sich ins Zeug, auch er will einen Krieg verhindern. Er macht seine Arbeit, macht sie gut, … und erfährt ungefähr Null Wertschätzung. Er ist … verletzlich, ich kann es nicht anders beschreiben. Ich hätte ihn so gern manchmal einfach nur in den Arm genommen. (Und ihm ein paar gute Knieschoner besorgt. ;p)

Sex & Romance

Romance gibt es, klar! Viele wunderschöne Szenen zwischen Jiras und Belac, und zwar von Anfang an. Ich mag die Szene im See, ich mag die überraschende Szene im Gang des Gasthauses. Ich liebe die Szene, in der Jiras Belac befreit. Erotik gibt es ebenfalls, die Funken fliegen herrlich. Wer jedoch Sexszenen sucht, wird bei Tanja Rast nicht fündig. Die zwei Jungs haben Sex, sogar nicht zu knapp, doch Tanja Rast zieht den Vorhang vor. Das passt zur Geschichte und zum Roman.

Cover

Der Knabe auf dem Cover? Jiras, wie er leibt und lebt in all seiner goldenen Schönheit.

Fazit

Ein spannendes, romantisches, humorvolles Buch, das ich kaum aus den Händen legen konnte und allen LiebhaberInnen von Fantasy sehr ans Herz lege. Die Handlung ist keine Würze für die Beziehung der zwei Hauptfiguren, sondern integraler Bestandteil des Romans. Die Figuren sind liebenswert, dreidimensional und manchmal wunderbar jugendlich dumm; man leidet herrlich mit ihnen mit. Mein Hauptkritikpunkt: Es war zu frickin‘ fuckin‘ kurz! Ich hätte nach dem Ende weiterlesen wollen, menno!

Spoiler nach dem Cut

Belacs erste Aufträge! Ich hätte mich wegwerfen können. Belac ist wirklich ein patenter, talentierter Mann, das steht in keiner Frage. Aber seine ersten Aufträge erledigen sich für ihn, sodass all seine schöne Planung im Grunde genommen für die Katz war. Den ersten Mann tötet Jiras – und reitet Belac damit ordentlich in Schwierigkeiten, denn er belastet ihn. Beim zweiten Auftrag klebt der zu tötende Magier schon tot an der Decke. Ja, wörtlich. ;p

Zum Ende hin ihr dummer, dummer Streit! Ich hätte sie packen und schütteln mögen. Jungs! Ehrlich! Ihr habt euch gegenseitig das Leben gerettet, eure Fürsten hinter euch gelassen, um beieinander zu sein. Und dann das. Boah!

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