Gelesen: „No Way“ von Regina Mars

Cover zu "No Way von Regina Mars: ein großer dunkelhaariger Junge steht mit dem Rücken zum Betrachter, ein kleinerer blonder Junge stützt sich mit dem Arm auf seine Schulter und sieht den Betrachter an. Sein Gesicht ist halb verborgen von seinem Arm.No Way ist der erste Gay-Romance-Roman von Regina Mars, und er ist anders als ihre Folgebücher.

Klappentext

Eigentlich will Pierre sich nur an Boris rächen, weil er eine Prügelei mit dem riesigen Torwart verloren hat. Das geht schief. Er findet sich plötzlich als Boris´ Nachhilfelehrer wieder und gerät immer mehr in den Sog seiner nachtblauen Augen …

Küss ihn!, flüsterte eine Stimme in Pierres Kopf. Er verharrte, konnte sich nicht von Boris losreißen, der ihn verwirrt ansah.
Na los, küss ihn!
Pierres Herz raste.

Zum Buch – No Way!

Perspektive: 3. Person; der Roman wird hauptsächlich aus der Perspektive von Pierre erzählt, aber auch Boris und Alan, Pierres bester Freund, kommen zu Wort.

Pierre ist durch ein Stipendium Schüler an einer Schule für Reiche und passt nicht im geringsten dazu, denn bei ihm und seiner Mutter reicht die Kohle häufig nicht mal wirklich für die Miete. Er sticht aber außerdem auch deswegen heraus, weil er nicht passen will. Als er eines Tages eine Mitschülerin beleidigt, ruft die ihren Freund zur Hilfe, der Pierre verprügeln soll. Obwohl der Typ zwei Freunde mitbringt, ist es Pierre, der die drei verprügelt. Die lassen das nicht auf sich sitzen und hetzen Boris auf Pierre. Boris ist größer, breiter, stärker als Pierre. Pierre verliert, will das nicht wahrhaben – die Feindschaft ist besiegelt.

Da er körperlich nicht gegen Boris ankommt, sucht er andere Wege, um sich zu rächen. Er pflastert die Schule mit einem Nacktbild von Boris, das er in der Sportumkleide geschossen hat. Boris ist (verständlich) auf 180, doch eine Lehrerin unterbricht die beginnende Prügelei und verdonnert die beiden Kampfhähne dazu, dass Pierre Boris Nachhilfe geben muss. Das Schicksal nimmt mit einigen Wirrungen seinen Lauf.

So weit, so gut …

Ich bin von Regina Mars‘ Romanen gewöhnt, dass sie mich innerhalb von drei Seiten, aber spätestens innerhalb von fünf Seiten gefangennehmen und nicht mehr loslassen. Nach einem guten Drittel war ich immer noch nicht in der Geschichte versunken, nur milde interessiert, und ich gestehe, das Gefühl hat bis zum Ende angehalten. Dabei war ich fest entschlossen, auch diesen Roman zu lieben – denn hey, es ist ein Mars!

Das liegt zum einen bestimmt daran, dass der Roman dunkler ist mit kaputten Familien, aber das hat mich zum Beispiel bei Lautstark verliebt auch nicht abgehalten, Figuren und Buch zu lieben. Dann die ständigen Prügeleien mit gebrochenen Nasen und spritzendem Blut. In Fantasy kann ich besser damit umgehen als in Geschichten in unserer Welt und Zeit. Besonders schwer fielen mir die in und mit Boris‘ Familie. Wenn du damit kein Problem hast, hast du vermutlich bessere Chancen als ich, das Buch zu mögen.

Was mir sehr fehlte, war der augenzwinkernde Humor, der nur hier und da sehr kurz durchblitzt. Ebenfalls fand ich weder Pierre noch Boris sonderlich sympathisch – Boris wuchs mir im Laufe der Geschichte doch noch ans Herz, Pierre fand ich nur in Ausnahmesituationen okay – hauptsächlich, wenn er auf Konfrontation mit Boris‘ Vater ging. Das waren auch die wenigen Momente, in denen die Lebendigkeit der Figuren durchschimmerte, die ich bei Regina Mars so liebe.

Was mir ebenfalls sehr gegen den Strich gegangen ist, waren die Traumsequenzen – die sexualisierte Gewalt, die als erregend geschildert wurde, hat mich echt abgeschreckt. Nein, keine komplette Vergewaltigung, aber nahe dran und bestimmt das eine Mal auch nur durchs Aufwachen verhindert.

Und zu guter Letzt wusste ich häufig nicht, aus welcher Perspektive eine Szene (auch die Traumszenen) gerade geschildert wird.

Ist der Roman schlecht? No way – natürlich nicht, aber er war nicht wirklich etwas für mich. Er erzählt die Liebesgeschichte zweier ziemlich kaputter Jungs, die um ihren Platz im Leben kämpfen und sich damit arrangieren, dass sie auch noch auf einen Kerl stehen. Die Handlung ist stringent und logisch, auch die von mir ungeliebten Prügelszenen passen gut in den Hintergrund der Geschichte. Ein Happy End gibt’s ebenfalls.

Die Figuren

Pierre ist ein Arschloch. Das mag bei seinem Hintergrund nicht verwundern – seine Mutter und er sind superarm, die Wohnung ist ein Dreckloch und trotzdem reicht das Geld kaum für die Miete. Die Mutter säuft, verschwindet oft einfach mal so und lässt Pierre damit zurück, für sie in ihrem Job in der Kneipe einzuspringen. Seine geliebte kleine Schwester wohnt bei ihrem Vater, womit Pierre auch nicht glücklich ist. Pierre pöbelt, prügelt und schläft sich rücksichtslos durch alles, was weiblich ist und irgendwie willig, gleichgültig, ob Gefühle (auf Seiten der Mädels) oder Beziehungen (ebenfalls auf Seiten der Mädels) involviert sind. Gegenüber denen, die er liebt, ist er aber verantwortungsbewusst, kümmert sich um seine Mutter und hält ihr den Rücken frei, versucht sein Bestes, seine kleine Schwester glücklich zu machen und beschützt Alan, der an der Schule gemobbt wurde, bevor Pierre kam.

Boris ist zwar reich, aber im Grunde genommen auch nicht besser dran als Pierre. Seine Mutter, die er liebt, liegt krebskrank im Sterben, sein Vater ist ein Arschloch, das nur seine eigenen Interessen verfolgt, und zwar als tyrannischer Despot. Boris war für ihn lange nur lästig und verachtenswert, bis der Junge seine einzige Chance darstellte, einen Sohn in den Profifußball zu bekommen. Seitdem darf Boris eigentlich gar nichts mehr – nicht feiern, keine Freundin, kein Alkohol. Er wird fertiggemacht, als er bei einem Spiel ein Tor durchlässt, obwohl sein Team gewonnen hat. Dementsprechend viel Angst hat er vor seinem Vater.

Alan ist Pierres bester Freund und die einzige Figur, die ich in dem Roman von Anfang an und durchgängig gemocht habe. Er ist süß, warm, weich und niedlich, beschützend auf seine eigene Art gegenüber Pierre.

Sex & Romance

Es gibt mehrere (mehr oder weniger) erotische Szenen in dem Roman, hauptsächlich in den Träumen, aber warum ich die nicht mochte, habe ich oben schon geschrieben. Eine Sexszene gibt es im wachen Zustand zum Ende des Buches. Romantik kommt mir (rein subjektiv, ich liebe Romantik!) auch zu kurz. Es gibt ein paar niedliche Szenen, als Boris Pierre auftaut, den ersten Kuss, die Szene am See, als Boris Schutz und Rückhalt bei Pierre sucht.

Cover

No way – es passt zum Buch! 😉 Gedeckter als die anderen Cover von Regina Mars und damit perfekt für diese eher düstere Geschichte. Die beiden Jungs sind natürlich Pierre (blond) und Boris (dunkelhaarig).

Fazit

Auch wenn No Way für Fans der Autorin natürlich ein Muss ist, ist der Roman kein typischer Regina Mars. Er ist weniger humorvoll, düsterer, die Figuren sind nicht so lebendig wie in ihren anderen Büchern und in meinen Augen weniger liebenswert. Bereut habe ich die Zeit, die ich mit ihnen verbracht habe, natürlich trotzdem nicht, aber ich denke nicht, dass ich das Buch ein zweites Mal lesen werde. Als Einstieg in die Bücher von Regina Mars würde ich No Way nicht empfehlen, da es sich doch deutlich unterscheidet.

Spoiler hinter dem Cut.

Es war mir ein Freudenfest, als Boris sich am Ende des Romans gegen seinen Vater auflehnt, für Pierre alles aufs Spiel setzt – und gewinnt.

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